Zwischen der Côte de Beaune im Norden und den Felsen des Mâconnais im Süden erstreckt sich die Côte Chalonnaise mit ihren 2.221 Hektar an Weinbergen über 25 km Länge und sieben km Breite. Die Côte hat eine mehr als eintausendjährige Geschichte. Doch ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert war es für lange Zeit recht still um die Weine und Weinberge der Côte Chalonnaise. Das lag vor allem daran, dass nirgendwo sonst in Burgund die Reblaus so stark gewütet hatte wie dort. Es folgten der Erste Weltkrieg, die Wirtschaftskrise und das Kollabieren der lokalen Absatzmärkte. Im Zweiten Weltkrieg zog sich die Demarkationslinie zwischen dem von Nazi-Deutschland besetzten Frankreich und dem Vichy-Regime durch die Côte, was das Leben und die Arbeit dort nicht gerade einfacher machte.

Cote Chalonnaise: Der lang ersehnte Aufstieg ist Realität geworden

Lange Zeit fehlten der Region wichtige Zugpferde, Leuchtturmweingüter, die der Côte Chalonnaise hätten Schub geben können. Solche Weingüter gibt es mittlerweile, und so hat die Côte Chalonnaise in den letzten Jahren den ersehnten Aufstieg erlebt, der immer wieder prognostiziert worden war. Neben einer signifikanten Menge an Crémant de Bourgogne werden die Weine heute in zwei Gebiets-Appellationen und fünf Village-Appellationen samt Premiers Crus erzeugt. Die Gebietsweine stammen aus der AOP Bourgogne-Côte Chalonnaise mit 44 Kommunen, in denen Rotweine und Weißweine erzeugt werden, sowie aus der im Jahr 2000 geschaffenen AOP Bourgogne-Côtes de Couchois mit sechs Gemeinden, die nur für Pinot Noir zugelassen ist.

Die Ortswein- und Premier-Cru-Appellationen der Cote Chalonnaise

(die für AOP genutzt werden)

  • Bouzeron: 55 Hektar Village
  • Rully: 177 Hektar Village, 96,6 Hektar Premier Cru
  • Mercurey: 483 Hektar Village, 166 Hektar Premier Cru
  • Givry: 157 Hektar Village, 146 Hektar Premier Cru
  • Montagny: 141 Hektar Village, 210 Hektar Premier Cru

Bouzeron

Diese Gemeinde, die im äußersten Norden der Region liegt, ist einzigartig. Sie gilt nur für die weiße Rebsorte Aligoté. Die AOP Bouzeron wurde 1998 gegründet. Vorher waren die Weine bekannt unter dem Namen „Bourgogne Aligoté de Bouzeron“. Seit dem Jahr 2003 müssen sich die Winzer entscheiden, ob sie ihren Aligoté als „AOP Bouzeron“ verkaufen, der höheren Ertragsbegrenzungen unterliegt, oder als „Bourgogne Aligoté“. Die besten Lagen wie Les Clous, La Digoine und La Fortune liegen im kühleren nordwestlichen Teil des Tales von Bouzeron. Es ist geprägt von weißem Mergel auf Oxford-Kalk. Von den 161 Hektar des Ortes werden rund 55,8 Hektar für die AOP Bouzeron genutzt.

Rully

In dieser Ortschaft wird zu zwei Dritteln Chardonnay und zu einem Drittel Pinot Noir angebaut. Die Premiers Crus verteilen sich auf 23 Climats rund um die Ortschaften Rully und Chagny. Die Weinberge liegen auf 230 bis 300 Metern Höhe. Der Pinot Noir steht auf Böden mit Braunerde und Kalk mit wenig Lehm. Die Weine aus dieser Rebsorte wirken leicht parfümiert, sind lebendig, haben wenig Tannin und werden meist in den ersten vier Jahren getrunken. Der Chardonnay steht auf Ton und Kalk. Auch dieser Wein wird oft jung und frisch getrunken, allerdings gibt es auch ambitionierte Weingüter, deren Premiers Crus es durchaus mit jenen der Côte de Beaune aufnehmen können – preislich aber oft attraktiver sind.

Mercurey

Dass dieser Ort schon zur Römerzeit besiedelt war, verwundert nicht; denn dort stand ein Tempel, der dem Merkur gewidmet war – daher auch der Name des Ortes. Was die Rebsorten angeht, so ist Mercurey ein Gegenstück zu Rully. Es dominiert der Pinot Noir mit 543 Hektar vor dem Chardonnay mit 105 Hektar. Die Premiers Crus befinden sich in 32 Climats der Ortschaften Mercurey und Saint-Martin-sous-Montaigu. Die Weinberge liegen auf einer Höhe von 230 bis 320 Metern und sind geprägt von Mergel und Mergelkalkböden aus dem Oxfordium. Im Westen gibt es eine Jura-Struktur und einen kristallinen Sockel, der mit Sandstein bedeckt ist. Ein ganzer Teil der Weinberge gehört zum Bathonium. Es gibt in Mercurey erstaunlich viele geologische Brüche. Die Weißweine sind schmackhaft und oft mineralisch. Bekannt ist der Ort aber für seine tiefen und oft opulenten Pinots mit viel Frucht und Tannin, das es von den Winzern in Einklang zu bringen gilt. Diese Weine können sehr gut reifen.

Givry

Über lange Zeit – zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert – waren Weine aus Givry die gefragtesten an der Côte Chalonnaise. Von dort stammte auch der Lieblingswein von Henri IV. Heute versuchen die Winzer, daran wieder anzuschließen. Es werden auf 248 Hektar Pinot Noir und auf 55 Hektar Chardonnay in den Gemeinden Givry, Dracy-le-Fort und Jambles erzeugt. Es taucht nur vereinzelt Chardonnay in den 38 Climats auf, die für Premiers Crus reserviert sind. Dort steht vor allem Pinot Noir, der meist etwas nussiger ist als der aus Mercurey und auch mehr Noten von Süßholz, Nelke und Wild bietet. Er steht meist in Lagen mit Kalkböden oder kalkhaltigen Braunerdeböden, die durch die Verwitterung von Kalkstein aus dem jurassischen Oxfordium und Lehm-Kalkstein entstanden sind. Der Großteil der Weinberge ist nach Osten, Südosten und Süden ausgerichtet und liegt zwischen 240 und 280 Metern über dem Meeresspiegel.

Montagny

Dies ist eine Appellation, die nur für Chardonnay zugelassen ist und sich über 341 Hektar erstreckt. Es gibt 49 Premier-Cru-Climats in den Gemeinden Montagny, Buxy, Saint-Vallerin und Jully-lès-Buxy. Ungewöhnlich ist, dass es hier deutlich mehr Premiers Crus (240 Hektar) als Village gibt, was den Wert der Premiers Crus schmälert. Die Reben stehen auf 250 bis 400 Metern und wurzeln in Kalkböden aus dem Bajocium sowie in reinen Mergelböden oder in Kalkstein- und Mergelböden, die aus dem Lias (Jura) und dem Trias stammen. Der untere Trias-Sandstein, der in Buxy zutagetritt, steht in Kontakt mit dem Kimmeridgium, der geologischen Stufe der Weine von Chablis. Tatsächlich schmecken viele Weine aus Montagny auch sehr ähnlich wie jene aus Chablis – zwar ohne Austernschalen-Noten, aber ganz anders als die Weine aus Rully oder die von der Côte de Beaune oder aus dem benachbarten Mâconnais.